WEITERBILDUNG
  • 15.07.2021

Über 6 Millionen Euro für digitale Ausstattung von Volkshochschulen

Ein Mann in einem blauen Pullver guckt in die Kamera, im Hintergrund sind mathematische Formeln abgebildet.

Digitale Pilot-Volkshochschulen erproben neue Lern- und Organisationsszenarien und werden dabei vom Kultusministerium mit mehr als sechs Millionen Euro für digitale Ausstattung unterstützt. „Baden-Württemberg übernimmt eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung in der Weiterbildung“, sagt Kultusministerin Theresa Schopper. Fritz Kuhn, Vorsitzender des vhs-Verbands, fügt bei: „Unser Ziel ist, die Volkshochschulen für Bildung, Beratung und Begegnung in der digital-vernetzten Gesellschaft kompetent aufzustellen.“

Die Weiterbildungseinrichtungen im Land haben in der Corona-Pandemie einen Digitalisierungsboom erfahren. Ziel der Landesregierung ist, mit der Weiterbildungsoffensive WEITER.mit.BILDUNG@BW den digitalen Strukturwandel in der Gesellschaft auch künftig sozial und positiv zu gestalten. Unter dem Dach dieser Initiative unterstützt das Kultusministerium die Weiterbildungsträger in seinem Zuständigkeitsbereich beim Umstieg auf digitale Lernformate, um den Bürgerinnen und Bürgern umfassend digitale Angebote machen zu können. Die über 160 Volkshochschulen im Land als größter Weiterbildungspartner des Kultusministeriums profitieren in den Jahren 2021 und 2022 von einer Ausstattungsförderung in Höhe von mehr als 6,3 Millionen Euro. Diese Mittel sind Teil des Maßnahmenpakets „Zukunftsland BW – Stärker aus der Krise“. „Mit unserem Ausstattungsprogramm fördern wir die Volkshochschulen, damit sie zukunftsfähig ausgestattet den digitalen Wandel der Gesellschaft aktiv mitgestalten können. Die Digitalisierung birgt ein enormes Potenzial für die Weiterbildung – insbesondere im Hinblick auf Vernetzung, Partizipation und individuelles Lernen“, sagt Kultusministerin Theresa Schopper und fügt an: „Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Digitale Formate sind keinesfalls eine Notlösung für die Weiterbildung in Krisenzeiten, sondern bieten einen echten Mehrwert und sind eine wichtige Ergänzung für Präsenzangebote – auch in Zukunft.“ 

Förderprogramm für digital unterstützte Weiterbildung

In enger Zusammenarbeit haben Kultusministerium und Volkshochschulverband Baden-Württemberg die Umsetzungsdetails für das bundesweit einzigartige Förderprogramm gemeinsam erarbeitet. „Investitionen in die digitale Infrastruktur sowie in Qualifizierungen der Lehrkräfte sind dringend notwendig und auch für die Zeit nach Corona von großer Bedeutung“, sagt Fritz Kuhn, Vorsitzender des vhs-Verbands. Er ergänzt: „Die Volkshochschulen haben sich bereits lange vor der Corona-Pandemie auf den Weg gemacht, digitale Kursangebote zu entwickeln und zu realisieren. Die Weiterbildungsoffensive gibt uns nun endlich den nötigen Rückenwind, um richtig durchstarten zu können.“ Förderfähig ist technische Ausstattung, die für mobile und virtuelle Lehr- und Lernsettings notwendig ist. Dazu zählen unter anderem mobile Endgeräte wie Notebooks und Tablets, Beamer, Kameras und interaktive Tafeln, aber auch Beleuchtung, Lautsprecher oder Steuerungsgeräte für Präsentationstechnik sowie Server. 

Digitale Pilot-Volkshochschulen als innovative Best-Practice-Beispiele 

Digitalisierung ist für die Volkshochschulen im Land allerdings bei weitem nicht nur ein Schlagwort für digitale Ausstattung. Entsprechend ihrem öffentlichen Bildungsauftrag sind Volkshochschulen auch verantwortlich, den Wandel der Gesellschaft mit zu gestalten und einer digitalen Spaltung der Gesellschaft aktiv entgegenzuwirken. Dafür muss sich auch die Institution Volkshochschule weiterentwickeln – in ihren Inhalten, ihren Angebotsformaten, ihren Verwaltungsabläufen und ihrer Organisationsstruktur. Im Rahmen der Weiterbildungsoffensive wird das Kultusministerium deshalb in den Jahren 2021 und 2022 voraussichtlich vier „digitale Pilot-Volkshochschulen“ mit insgesamt bis zu 720.000 Euro als Best-Practice-Beispiele für innovative digitale Lern- und Organisationsszenarien fördern. Ministerin Schopper: „Mit diesem Projekt beschreiten wir bundesweit Neuland und werden eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung in der Weiterbildung einnehmen. Die Digitalisierung und das veränderte Nutzerverhalten fordern etablierte Prozesse und die traditionell starke kommunale Verortung der Volkshochschulen heraus. Die Pilot-Volkshochschulen sollen die Herausforderungen, die sich für sie in der digitalen Transformation ergeben, modellhaft bearbeiten und Lösungen für die Zukunft entwickeln.“ 

Regionale Grenzen überwinden und digitale Vernetzung fördern

Die digitalen Pilot-Volkshochschulen erhalten den Auftrag, sich als Kooperationsverbund mit jeweils mindestens zwei Volkshochschulen aufzustellen. „Wir werden zukunftsfähige Digitalangebote an den Volkshochschulen sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum qualitativ und quantitativ ausbauen. Wir wollen dabei regionale Grenzen überwinden und die digitale Vernetzung fördern. Unser Ziel ist, die Organisation vhs als Anlaufstelle in der digital-vernetzten Gesellschaft kompetent aufzustellen. Der Volkshochschulverband sieht sich dabei als Impulsgeber, der diese Prozesse fördert und begleitet“, betont Kuhn.  

Pilot-Volkshochschulen sollen nachhaltige Veränderungen anstoßen

Programmatische Grundlage für die Arbeit der Pilot-Volkshochschulen ist das „Manifest zur digitalen Transformation von Volkshochschulen“. Darin reflektiert der Deutsche Volkshochschul-Verband, was die vhs-Leitlinien „Offenheit, Begegnung und Vielfalt“ in einer digital-vernetzten Gesellschaft bedeuten. Angelehnt an das Manifest erhalten die Pilot-Volkshochschulen Arbeitsaufträge zu den sechs Handlungsfeldern „Digitale Kompetenzen“, „Digitale Vernetzung“, „Digitale Unterrichtsszenarien“, „Digitale Präsenz“, „Digitale Organisation“ sowie „Digitale Verwaltung“. Jeder Verbund soll zwei bis drei Handlungsfelder bearbeiten. Die Verbünde können regional oder überregional angelegt sein, je nach Auftrag. Mit dieser Projektförderung sollen nachhaltige strukturelle Veränderungen angestoßen und verstetigt werden. Die Ergebnisse sollen auf andere Volkshochschulen übertragen werden können.  

Das Verfahren zur Gewinnung der digitalen Pilot-Volkshochschulen ist bereits angelaufen und soll bis Anfang August abgeschlossen sein. Auf Basis der Antragslage wird das Kultusministerium anschließend in Abstimmung mit dem Volkshochschulverband und voraussichtlich unterstützt durch wissenschaftliche Expertise eine Auswahlentscheidung vornehmen und diese anschließend bekanntgeben. Eine Rolle spielt bei der Auswahl unter anderem der jeweils skizzierte Arbeitsauftrag sowie die Darstellung, wie der erforderliche Wissens- und Ergebnistransfer sichergestellt werden kann. Zudem müssen die beteiligten Volkshochschulen bereits über nachgewiesene Vorerfahrungen verfügen.  

Weitere Informationen

WEITER.mit.BILDUNG@BW

Die baden-württembergische Landesregierung hat im Februar 2021 unter dem Titel WEITER.mit.BILDUNG@BW eine ressortübergreifende Weiterbildungsoffensive beschlossen. Das Kultusministerium, das Wirtschaftsministerium und das Wissenschaftsministerium werden dabei unter einem gemeinsamen Dach die berufsbezogene und allgemeine Weiterbildung im Land bündeln, nachhaltig stärken und zukunftssicher aufstellen. Dafür investiert das Land in den Jahren 2021 bis 2024 insgesamt 40 Millonen Euro. 

Digitale Pilot-Volkshochschulen

Nähere Informationen zum Vorhaben der digitalen Pilot-Volkshochschulen finden Sie hier: Digitale Pilotverbünde 

Ausstattungsförderung

Die Förderhöhe je Volkshochschule bestimmt sich grundsätzlich nach dem etablierten Verfahren des Landeszuschusses an den vhs-Verband. Dabei erhalten alle Volkshochschulen einen Grundsockelbetrag in Höhe von je 12.000 Euro. So soll gewährleistet werden, dass auch kleine Volkshochschulen ausreichend zum Zug kommen und eine Fördersumme erhalten, die eine sinnvolle Anschaffung von technischer Ausstattung ermöglicht. Das Antragsverfahren erfolgt über die Geschäftsstelle des Volkshochschulverbands.  

Ebenfalls zum Zuständigkeitsbereich des Kultusministeriums in puncto Weiterbildung gehören die fünf Dachorganisationen der konfessionellen Erwachsenenbildung, die in der Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg (KiLAG) zusammengeschlossen sind. Auch die konfessionelle Erwachsenenbildung erhält in den Jahren 2021 und 2022 Fördermittel für digitale Ausstattung, insgesamt etwa 2,05 Millionen Euro. Analog zum gemeinsamen Vorgehen im Bereich der Volkshochschulen ist das Kultusministerium aktuell mit der KiLAG in Abstimmung über die Ausstattungsförderung, die das Kultusministerium entsprechend bekannt machen wird. Ferner wurde auch im Bereich der kirchlichen Erwachsenenbildung ein Pilotprojekt zur digitalgestützten Weiterbildung angestoßen.

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