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3 Fragen 3 Antworten

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Diesmal mit zwei Lehrern zum Thema Corona und den Folgen für die Schule

Daniel Laupp und Daniel Rauser, Lehrkräfte des Otto-Hahn Gymnasiums in Böblingen
Daniel Laupp und Daniel Rauser sind Lehrkräfte am Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen. Im NwT-Unterricht haben sie zusammen mit Schülerinnen und Schülern CO-Ampeln entworfen, die dabei helfen, rechtzeitig zu lüften und damit das Risiko einer Infektion mit dem Corona-Virus zu verringern. Ein guter Anlass, um mit ihnen – exemplarisch für alle Lehrkräfte in Baden-Württemberg, die kreativ und engagiert die Herausforderung Corona-Pandemie und Schule meistern – darüber sowie über die Probleme und Chancen der aktuellen Situation für den Unterricht zu sprechen.

Zunächst einmal: Vielen Dank für Ihr Engagement. CO2-Ampeln im Unterricht durchnehmen und produzieren sowie damit helfen, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen. Wie kam‘s dazu?

Daniel Laupp und Daniel Rauser: Eigentlich eher zufällig. An unserer Schule waren wir mit der Planung eines Hackathons beschäftigt und deshalb in Kontakt mit einem Team um Guido Burger und den Umweltcampus in Birkenfeld. Als diese dann mit der Entwicklung solcher CO2-Ampeln begannen, sahen wir darin eine große Chance zur Zusammenarbeit. Schließlich finden sich in der Thematik viele Inhalte, die der Bildungsplan für das Fach NwT fordert, und die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, aktiv in ein aktuelles Geschehen einzugreifen. Selbstverständlich hätten wir auch einfach CO2-Ampeln kaufen können, aber wir glauben doch, dass die Schüler durch das Erstellen der Ampeln das Pandemiegeschehen erst wirklich begreifen. Außerdem haben wir davor auch einiges an Theorie zu Covid 19 und zur Immunbiologie gemacht. So schlagen wir letztlich sogar drei Fliegen mit einer Klappe: Viruseindämmung, Klimawandel durch richtiges Lüften bekämpfen und Digitalisierung.

Mit dem neuen Förderprogramm können Schulen solche CO2-Ampeln nun auch erwerben. Sie können das Geld jetzt für Investitionen nutzen, sei es für die Raumlufthygiene oder im Rahmen der Digitalisierung. Interessanterweise haben Sie das Thema Lüften und Digitalisierung mit Ihrem Projekt ja auch noch insofern verknüpft, als dass Sie Ihre Klassen die Produktionsanleitungen via Moodle beziehungsweise BigBlueButton anderen Klassen haben vorstellen lassen. Liegt hier in der Krise also auch eine Chance?

Daniel Laupp und Daniel Rauser: Das ganze Geschehen ist nach wie vor unwirklich und ungewohnt. Es ist sicher sehr hilfreich, dass wir durch das Förderprogramm weitere Ampel-Bausätze anschaffen können. Der verwendete Mikrocontroller besitzt zum Beispiel ein WiFi-Modul und der Sensor misst auch Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit. Im Unterricht können wir auf diesem Weg ein Schuldashboard entwickeln und so unterschiedliches Lüftungsverhalten in Räumen untersuchen oder auch ganz einfach offene Fenster erkennen und die daraus resultierenden Auswirkungen den Schülerinnen und Schülern nahebringen. Das sind sicher erste Entwicklungsschritte in Richtung einer smart school. Besonders spannend finden wir persönlich zudem die Datenübertragung über das LoRaWAN, was weitere Entwicklungsmöglichkeiten des Projektes bietet. Die Fünftklässler waren hingegen begeistert, dass plötzlich eine Präsentation via BigBlueButton über den Beamer läuft und Schüler aus einem anderen Raum etwas dazu erzählen. Auch die Etablierung einer Lernplattform wie Moodle bietet sicher Chancen über die Krise hinaus: Gerade interaktive Lerninhalte wie die LearningApps oder die H5P-Module sind unseres Erachtens nach gute Tools für die Zukunft, da sie für die Lernenden attraktiv sind und auch eine direkte Rückmeldung über ihren Leistungsstand geben. Auch unsere Einheit zu Covid 19 und den CO2-Ampeln haben wir komplett als Moodle-Kurs angelegt, was von den Schülern bislang als sehr positiv wahrgenommen wird. Allerdings verfügen wir in der NwT auch über die notwendigen technischen Voraussetzungen und die sind natürlich nicht in jedem Fach gegeben. Interessanterweise haben wir auch als Lehrkräfte – obwohl wir uns weniger sehen – selten so intensiv zusammengearbeitet wie in den vergangenen Monaten. Viele sind beispielsweise bei Moodle in den Kursen von Kolleginnen und Kollegen eingeschrieben. Sowohl über Unterrichtsinhalte aber auch darüber hinaus haben wir auch deshalb einen sehr regen und konstruktiven Austausch gehabt. Außerdem wurde in den letzten Monaten im digitalen Bereich vieles umgesetzt oder auf den Weg gebracht, wofür man in „normalen“ Zeiten Jahre benötigt hätte.

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es, wie sich der Kampf gegen die Pandemie pädagogisch sinnvoll in den Unterricht integrieren lässt?

Daniel Laupp und Daniel Rauser: In digitaler Hinsicht empfehlen wir jedem einen Blick auf die Seite der IoT-Werkstatt des Umweltcampus in Birkenfeld zu werfen, der eine Vielzahl an Vorschlägen gesammelt hat. Weiterhin finden wir aber auch die Möglichkeiten für die musischen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer bedeutend: Wie sieht Kunst in solchen Zeiten aus? Wie reagiert die Gesellschaft auf Pandemien? Wie geht man mit Widerspruch um? Was darf ein Staat? Was bedeutet das für die Globalisierung? Und natürlich: Wie verändert sich das Sozialleben, wenn wir uns nicht mehr so oft sehen? Ganz witzig finden wir darüber hinaus andere Events rund um die Pandemie im schulischen Alltag: Zum Beispiel kann unser jährlicher Weihnachtsbazar nicht stattfinden. Die Religionsfachschaft hat sich jetzt überlegt, dass jede Klasse für eine andere Klasse ein Türchen eines Adventskalenders gestaltet. Allerdings darf es ja nichts Selbstgebackenes sein. Da machen sich alle Klassen plötzlich ganz andere Gedanken über die Vorlieben und Merkmale der anderen Schülerinnen und Schüler. Irgendwie lernen sich alle dann doch noch einmal ganz anders kennen.

Zur Pressemitteilung zum neuen Förderprogramm für Schulen geht’s hier.

 

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