Schülerdemonstration
  • 01.03.2019

Engagement der Schüler für den Klimaschutz ernst nehmen

In einem Schreiben an die Schulleiterinnen und Schulleiter im Land ruft Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann dazu auf, pragmatische Lösungen für den Umgang mit Schülerinnen und Schüler zu finden, die für den Klimaschutz demonstrieren. Sie nehme das Engagement der Schüler sehr ernst und fordert dazu auf, das Thema stärker in die Klassenzimmer zu holen.

Liebe Schulleiterinnen und Schulleiter,

Woche für Woche gehen bundesweit tausende Jugendliche auf die Straße, um sich für den Klimaschutz einzusetzen - auch bei uns in Baden-Württemberg. Der Klimawandel ist unbestritten schon heute spürbare Realität und eine unserer zentralen globalen Herausforderungen.

Dass der Klimawandel auch regionale Konsequenzen hat, das haben wir im vergangenen Sommer wohl alle endgültig gemerkt. Das ausdauernde Engagement unserer Schülerinnen und Schüler zeigt, wie wichtig ihnen dieses Thema ist. Sie machen sich Gedanken über ihre Zukunft und die unserer Umwelt. Dafür habe ich großes Verständnis, auch beeindruckt mich das Engagement der Schüler sehr.

Pragmatische Lösungen finden

lch bin deshalb der Auffassung, dass wir dieses lnteresse und das Bewusstsein unserer Schüler für den Klimaschutz ernst nehmen müssen. Selbstverständlich müssen wir, die Schulverwaltung gemeinsam mit lhnen als Schulleiterinnen und Schulleiter, über die Einhaltung der Schulpflicht wachen. Viele von lhnen haben gute und pragmatische Lösungen gefunden, wie Sie mit dem Fernbleiben der Schüler umgehen. Erst kürzlich las ich in der Presse von einem Lehrer, der seinen Schülern die Aufgabe gegeben hat, in einem Aufsatz über das Spannungsfeld von „Rechten und Pflichten“ zu reflektieren. Das halte ich für eine pädagogisch angemessene und vorbildliche Reaktion.

Thema ins Klassenzimmer holen

Bei allem Verständnis für das berechtigte Anliegen der Schüler kann es natürlich trotzdem nicht sein, dass der Unterricht dauerhaft freitags ausfällt. Aus diesem Grund rege ich an, dass wir das Thema von der Straße ins Klassenzimmer holen.

Die Bildungspläne bieten dafür zahlreiche Anknüpfungspunkte, insbesondere durch die Leitperspektive „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. lch weiß, dass die Schulen in Baden-Württemberg hier alles andere als untätig sind. Es gibt Umwelt AGs, Schulgärten oder Schülerfirmen, die sich mit fairen und nachhaltigen Produktionsweisen beschäftigen, sowie Unterrichtseinheiten und Projekte, die sich dem Klimawandel widmen. Das starke lnteresse der Schüler weist darauf hin, dass wir genau diesen Weg stärker verfolgen sollten. Sei es durch Unterrichtseinheiten oder im Rahmen von Projekttagen, die den Klimawandel, seine Ursache, Folgen und Dimensionen im globalen Kontext aufgreifen, aber auch die Zusammenhänge und die Bedeutung für unser Land und unsere hiesige Umwelt deutlich machen.

Die Leitperspektive „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ verfolgt das Ziel, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, informierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst für den Schutz der Umwelt und für eine gerechte Weltgesellschaft für aktuelle und zukünftige Generationen zu handeln. Dies betrifft vor allem die Beachtung der natürlichen Grenzen der Belastbarkeit des Erdsystems sowie den Umgang mit sozialen und globalen Ungerechtigkeiten. Lehrerinnen und Lehrer erhalten über die lnternetplattform des Bildungsplans dazu passende lnformationen und Unterstützungsangebote für den Unterricht. Ein Beispiel ist das simulationsorientierte Rollenspiel „World Climate“. Auch das Umweltministerium bietet vielfältige Projekte, Materialien sowie die lnternetplattform „KlimaNet Baden-Württemberg“ zur Unterstützung an. Hier erhalten Schulen Hintergrundinformationen sowie konkrete Angebote für die Vertiefung von klimarelevanten Fragestellungen im Unterricht. Die Plattform bietet auch Anregungen für eigene Klimaschutzprojekte – von der ldee bis zur Umsetzung.

lch bitte Sie: Nutzen Sie diese Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten, um gemeinsam mit lhren Schülerinnen und Schülern die gesellschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels in der Schule zum pädagogischen Thema zu machen. Lassen Sie uns den Schülern damit zeigen, dass wir ihre Sorgen ernst nehmen und dass ihr Engagement etwas bewirkt.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Susanne Eisenmann

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