20.05.2014

Modellprojekt Islamischer Religionsunterricht wird verlängert und ausgebaut

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: Modellprojekt Islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache stößt auf großes Interesse

Kultusminister Andreas Stoch: Islamischer Religionsunterricht bietet gute Grundlage für Zusammenwachsen von Gesellschaft und Religionen

Der Ministerrat hat am Dienstag (20. Mai 2014) zugestimmt, das Modellprojekt „Islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg“ um weitere vier Jahre bis zum Schuljahr 2017/2018 zu verlängern sowie auf jährlich bis zu 20 weitere Schulen auszuweiten. Das vom Kultusministerium vorgelegte Konzept sieht vor, auch Realschulen und Gymnasien einzubeziehen. Das Modellprojekt war ursprünglich bis zum laufenden Schuljahr 2013/2014 befristet. „Das Modellprojekt stößt auf großes Interesse. Viele muslimische Eltern wollen, dass ihre Kinder Islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache erhalten. Der Landesregierung ist es deshalb ein wichtiges Anliegen, das erfolgreiche Angebot auszubauen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Der Islamische Religionsunterricht bietet eine gute Grundlage für das Zusammenwachsen der Gesellschaft und der Religionen. Das Modellprojekt ist deshalb ein wichtiges Angebot für die islamisch-sunnitischen Kinder und Jugendlichen in unserem Land“, betonte Kultusminister Andreas Stoch.

Islamischer Religionsunterricht sunnitischer Prägung wird in Baden-Württemberg seit dem Schuljahr 2006/2007 im Rahmen eines Modellprojekts angeboten, zunächst an zehn Grundschulstandorten. „Es ist seither eine Erfolgsgeschichte mit einer zunehmenden Nachfrage“, so Stoch. Mit der Erweiterung des Modellprojekts auf die Hauptschule im Schuljahr 2010/2011 und der Ausweitung auf insgesamt zwanzig Grundschulstandorte und sechs Hauptschulstandorte wurde dieser Nachfrage Rechnung getragen. Im aktuellen Schuljahr 2013/2014 wird der Unterricht an 24 Grundschulen, einer Realschule und an sechs Hauptschulstandorten erteilt. Rund 2.000 Schülerinnen und Schüler aus bis zu 14 unterschiedlichen Herkunftsländern nehmen daran teil. Nach den Plänen des Kultusministeriums soll das Modellprojekt auf weitere Realschulen und ab dem Schuljahr 2015/2016 auch auf Gymnasien an drei Standorten ausgedehnt werden. Bei einer Ausweitung des Modellprojekts auf bis zu 20 Schulen pro Jahr werden bis zum Schuljahr 2017/2018 zusätzlich 12,56 Deputate benötigt.

 

Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Modellprojekts

Der Unterricht wurde seit Beginn kontinuierlich evaluiert und von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse der Evaluation sind in jedem Schuljahr positiv ausgefallen. Das Modellprojekt fördert die deutsche Sprachkompetenz und das Verständnis für die jeweiligen religiösen Traditionen und Rituale der Schülerinnen und Schüler. „Da der islamische Religionsunterricht parallel zum Religionsunterricht anderer Konfessionen stattfindet, ist er zur schulischen Normalität geworden. Die Schulen berichten, dass die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern durch den Religionsunterricht einen neuen Bezug zur Schule entwickelt und sich stärker in das Schulleben eingebracht haben“, erläuterte der Kultusminister. Die Eltern würden vor allem schätzen, dass ihre Kinder in deutscher Sprache und in der Gemeinschaft Kenntnisse über den Islam erhalten.

Die Verlängerung und Ausweitung trage auch der Tatsache Rechnung, dass es bislang auf islamisch-sunnitischer Seite keinen legitimierten Ansprechpartner in Form einer Religionsgemeinschaft gibt. Das Land kann deshalb als Träger des islamischen Religionsunterrichts wie bisher nur auf die jeweilige Elterngemeinschaft setzen, teilweise in Kooperation mit der örtlichen Moscheegemeinde. Nur ein legitimierter Ansprechpartner, der den grundgesetzlichen Anforderungen an eine anerkannte Organisation als Gegenüber des Staates gerecht wird, kann auf Dauer die notwendige Unterstützung im Bereich der Lehrergewinnung und der Werbung für das Unterrichtsfach leisten. Die im Jahr 2013 von islamischen Verbänden eingereichten Anträge auf Erteilung bekenntnisorientierten Religionsunterrichts werden derzeit vom Kultusministerium geprüft.



Weitere Informationen für die Redaktionen

Lehrerbildung

Das bekenntnisorientierte Unterrichtsangebot wird von Lehrkräften sunnitischer Prägung erteilt, die über eine anerkannte Lehramtsausbildung verfügen. Sie müssen zusätzlich den Erweiterungsstudiengang „Islamische Theologie/Religionspädagogik“ absolviert haben. Er ist an vier Pädagogischen Hochschulen (Karlsruhe, Ludwigsburg, Weingarten und Freiburg) eingerichtet. Für die neuen gestuften Lehramtsstudiengänge, die mit dem Wintersemester 2015/16 beginnen sollen, ist „Islamische Theologie/Religionspädagogik“ in allen Lehramtsstudiengängen als reguläres Fach vorgesehen.

Zum Wintersemester 2013/2014 wurde am Zentrum für Islamische Studien der Universität Tübingen der Lehramtsstudiengang „Islamische Religionslehre“ mit Abschluss Staatsexamen Gymnasium eingerichtet. Erste Absolventen dieses Studiengangs sollen ab dem Schuljahr 2017/2018 auch an gymnasialen Standorten in Baden-Württemberg eingesetzt werden. Zur Realisierung des Vorbereitungsdienstes sollten ab dem Schuljahr 2015/16 mindestens drei Modellschulen als Ausbildungsschulen, darunter ein Gymnasium im Großraum Tübingen, und ein Bildungsplan existieren.

Zur Fortbildung der Lehrkräfte, die islamischen Religionsunterricht sunnitischer Prägung unterrichten, findet jährlich eine Fortbildungsveranstaltung im Umfang von 2,5 Tagen an der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen statt.

 

Bildungspläne

Im Zuge der derzeit laufenden Bildungsplanreform wird auch ein Bildungsplan für den Islamischen Religionsunterricht erarbeitet. Die entsprechende Bildungsplankommission hat bereits ihre Arbeit aufgenommen.

 

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